Gerhard Schulze:
“… Selbstbeobachtung der Diskursteilnehmer. Prüfen sie ihre Argumente? Gehen sie auf Gegenargumente ein? Wie gewinnen sie ihr ewig vorläufiges Wissen? Kultivieren sie vernünftige Regeln, denen sich alle unterwerfen? Lassen sie zu, was sie am meisten ärgert und gleichzeitig am meisten voranbringt – die Skepsis? Die Moral der Krisenkommunikation, gemessen an solchen Fragen, ist im selben Mass gefährdet, wie das Beschwören von Krisen und Risiken zunimmt und mit ihnen das Vorhersagen, das Kommentieren, das Institutionalisieren, das Vorschreiben und Verbieten. Ohne einen gescheiten Krisendiskurs droht all den nervösen Aufrüttlern, gemütlichen Abwieglern und suchenden Skeptikern ein Leben in Parallelwelten, zwischen denen es keine Verbindung mehr gibt.”
Hier ist ein von ihm genanntes Beispiel:
“So artikulierten beispielsweise 255 Klimaforscher in einem kürzlich in der Zeitschrift «Science» veröffentlichten Manifest ein Pathos der Bedrängtheit, das nicht so recht zum Mainstream passen will, dem sie angehören. Der Weltklimarat IPCC ist kein Katakombenzirkel einer verfolgten moralischen Avantgarde, und Klimaschutzgipfel von globalen Dimensionen wie neulich das Treffen von vierzig Staatsoberhäuptern auf dem Bonner Petersberg, der Klimagipfel von Kopenhagen oder schon vor Jahren in Kyoto passen nicht so recht zum Vergleich mit der Hexenjagd im Stil der Ära McCarthy, den die Unterzeichner explizit bemühen, um ihrer Empörung Luft zu machen.”