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Kategorie-Archiv: Rhetorik

Günther Grass sorgt dafür, dass die Iran- und Palästinenser-Versteher Gelegenheit haben, ihren Antisemitismus noch besser zu kaschieren. Eineso allgemeine ehrliche Distanzierung von GG kann ich kaum glauben. Hier ein kleiner Überblick. Oder wird Israel nach dem “Gedicht” doch etwas anders bewertet? Dann hätte GG wirklich etwas bewegt.

Es ist alles schon gesagt worden (ich wiederhole mich). Man kann daher nur zitieren. Man möchte doch aber so gerne auch etwas schreiben…

Henning Ritter (Notizhefte) löst das Problem dadurch, dass er seine Kenntnisse zu Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts und seine seit 20 Jahren geführten Notizen dazu nutzt. Er zitiert also einen der “Alten” und setzt einen kleinen Kommentar dazu. Durch die Beschränkung auf diese Periode vermeidet er auch, morgen weniger aktuell zu sein als in den vergangenen zwanzig Jahren des Sammelns.

Da ich niemals in diese angenehme Lage kommen werde, kann ich entweder etwas schreiben, was für mich von Bedeutung ist, ohne zu recherchieren, wer das zuvor schon geäußert hat, oder aber ich nehme eine Quelle wie die “Notizhefte” und kommentiere etwas daraus. Das wäre dann also Tertiär- oder eher noch Quartärliteratur. Denn ich habe noch nie glauben wollen, dass den “Großen” all diese wunderbaren Wortspiele selbst eingefallen sind. Sie haben sie gesammelt. Die “Großen” schreiben insofern, was die Ideen betrifft, Sekundärliteratur. Dazu kommt dann das “Eigene”, das eine Kommentierung des Vorgefundenen darstellt.

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Gefunden im Perlentaucher:

In einem sehr schön melancholischen, weniger kulturpessimistischen als selbervergänglichkeitsbewussten Essay schreibt der Kritiker und Autor Ulf Erdmann Ziegler über seine Wiederbegegnung mit der Biennale in Venedig. Er hat, stellt er fest, den Anschluss verpasst. Zeit, die Eule der Minerva fliegen bzw. ein ganz anderes Tier kriechen zu lassen: “Der Mistkäfer, habe ich bei Jean-Henri Fabre (der ‘Homer der Insekten’ (Victor Hugo)) gelesen, versteckt seine Mistkugel unterirdisch, an der er zwei Wochen ununterbrochen frisst, während er das Verdaute als Humus ununterbrochen auskackt. Das ist die Rolle des Kritikers – er produziert den Nährboden dessen, was wachsen wird. Indem er in rasendem Tempo sortiert – die guten ins Kröpfchen -, beweist er, dass es doch geht, dass man kunstkritisch fressen kann, was man kulturkritisch für unverdaubar erklärt hatte. Wir Mistkäfer widerlegen uns selbst bis zur Erschöpfung.”

Das Chronic Fatigue Syndrome (was keineswegs irgendetwas mit dem “symptom chronic fatigue” zu tun hat) ist ein besonderes. Der erste Griff in das Wikipedia-Regal macht klar, dass die Franzosen das CFS eher als ein amerikanisches ausmachen: “Ce syndrome a été identifié dans les pays anglo-saxons au milieu des années 1980. L’Organisation mondiale de la santé le considère comme une maladie neurologique grave et il figure sur la liste américaine des maladies infectieuses nouvelles, récurrentes et résistantes aux médicaments.” Und viel mehr ist in dem Eintrag auch nicht zu finden.

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Hier ist ja längere Zeit nichts passiert. Zum Wiedereinstieg etwas Leichtes: Autowerbung. Gesehen in der Kunstzeitschrift “Art”. Die Kombination Autowerbung und Kunst ist ein Klassiker. Hier also ein Text von einem ungenannten Künstler im Dienst von BMW:

Ein Design, das gleichzeitig fesselt und bewegt

Das steht unter einem Bild des Autos, das angeblich diese Wirkung hat. Warum man das dann noch sagen muss, kann nur einen Grund haben: Der Werbefritze ist nicht sicher, dass es fesselt und bewegt.

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fehlt hier mal wieder der nötige Ernst:

“Der Dioxin-Skandal weitet und weitet sich aus. Und morgen wird er sich wohl noch weiter ausgeweitet haben. Milliarden Tonnen kontaminierter Mischfettsäure wurden bereits verfüttert. Dieses Produkt entsteht bei der Herstellung von Bio-Diesel. Das Verbraucherschutzministerium prüft zurzeit, ob sich dadurch herkömmliche Eier in Bio-Eier und Massentierhaltungsfleisch in Bio-Schnitzel verwandelt haben. Die Erzeuger könnten dann höhere Preise verlangen. Ob es allerdings sinnvoll ist, Hühner mit Bio-Diesel zu betanken, steht auf einem anderen Blatt, das uns im Moment nicht vorliegt. Die Tiere laufen möglicherweise schneller, aber daran kann dem Hühnerhalter eigentlich nicht gelegen sein, denn die Vögel sollen schnell Fleisch ansetzen, aber nicht in der Gegend herumdieseln. Das Gleiche gilt auch für Rinder, Puten und Schweine. Je schneller diese Tiere sind, umso weniger Fleisch setzen sie an und umso stärker werden ihre Bremsbacken beansprucht. Naturschutzorganisationen fordern deshalb Geschwindigkeitskontrollen in allen Mastbetrieben sowie die Helmpflicht für Schlachtvieh.”

Vor ein paar Tagen bat ich den Autor des kleinen Buches “Panzer-Regiment 2″ (1953) um eine Kopie. Er brachte mir ein druckfrisches Exemplar mit, ohne Frage zu stellen. Ich konnte es nicht unterlassen, ihn zu fragen, warum er später in die Bundeswehr gegangen ist. Seine Antwort lief darauf hinaus, dass es eben sein Job gewesen wäre.

Ich kommentiere dieses Buch nicht weiter, außer, das Offensichtliche anzumerken: Es fehlt jeder Hinweis auf den Kontext, auf Diskussionen innerhalb des Regiments, oder die Auswirkungen auf den “Feind”, besonders die Zivilisten. Viele der zitierten Berichte sind wie von begeisterten Pfadfindern geschrieben, mit Gedankenstrichen und Ausrufezeichen.

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